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Es stand in der Waldeckischen Landeszeitung am 25. Mai 2004 Hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Redaktion
NABU-Fledermaus-Arbeitsgruppe zieht erfolgreiche Bilanz - Rekord in Winterquartieren
Wochenstube mit rund 150 Mausohren entdeckt... ![]()
Eine Fransenfledermaus auf Insektenjagd ziert das
Titelbild einer neuen Fledermausbroschüre der
NABU-Arbeitsgruppe Fledermausschutz.WALDECK-FRANKENBERG (sr). Die NABU-Fledermaus-Arbeitsgruppe zog in der Kreisvorstandssitzung des größten Naturschutzverbandes eine erfolgreiche Bilanz. Große Mausohren, Zwergfledermäuse oder Abendsegler zeigen einen Aufwärtstrend. Im Winter stellten die Forscher mit 417 Tieren in Waldeck-Frankenberger Winterquartieren einen neuen Rekord fest.
Die Verbesserung der Nahrungsgrundlage im warmen Sommer 2003 und intensive Öffentlichkeitsarbeit für die bedrohte und häufig mit Vorurteilen behaftete Tiergruppe zeigen Wirkung.
Die nützlichen Insektenvertilger faszinieren heute viele Menschen. Zwergfledermäuse sind wieder in jedem Dorf oder jeder Stadt heimisch. Im Kreisgebiet sind inzwischen 17 Fledermausarten nachgewiesen.
Seit 1992 widmete sich die NABU-Arbeitsgruppe Fledermausschutz den einzigen fliegenden Säugetieren Europas. Die 13 Aktiven kümmern sich um die Öffnung und Sicherung von Winterquartieren, erforschen Jagdgebiete und Wochenstuben, begeistern in Schulen und an Jugendherbergen viele Kinder und Jugendliche von der geheimnisvollen Welt der Fledermäuse und helfen ratsuchenden Bürgern.417 Tiere aus acht Arten
Erfreuliche Bestandszunahmen stellten die Forscher im vergangenen Winter in alten Bergwerkstollen, Naturhöhlen und Gewölbekellern fest. Dort halten die Fledermäuse im feuchten Klima mit konstanten Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt ihren Winterschlaf. In 44 Objekten fanden die Fledermausschützer 417 Tiere acht verschiedener Arten. Im Vorwinter waren es 377 Tiere.
Eine deutliche Zunahme war bei den Großen Mausohren im nördlichen Teil des Landkreises zu verzeichnen. Von den 193 Funden waren drei Tiere beringt, die ihr Sommerquartier in Kirchen im Raum Limburg und in Gladenbach besitzen. Ferner fanden die Forscher mehr Bartfledermäuse und insgesamt 14 Teichfledermäuse, eine seltene Art, die erst 1996 erstmals im Landkreis nachgewiesen wurde und vermutlich im Kreis ihre südliche Verbreitungsgrenze erreicht. Sie ist überwiegend in Norddeutschland und den Niederlanden beheimatet. Erfreulich ist auch der Winterbestand in einem ehemaligen Schieferstollen im oberen Edertal, der erst vor einem Jahr auf Initiative des stellvertretenden Hatzfelder Forstamtsleiters Frank Robert geöffnet wurde.
Erstmals im Winterquartier nachgewiesen wurde ein Graues Langohr und eine Breitflügelfledermaus.
Der Dodenauer Tunnel wird zudem von Mopsfledermäusen genutzt und ist daher als Schutzgebiet im Rahmen der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie gemeldet. Auch die Naturhöhlen im Werbetal, die Siegfriedhöhle bei Obemburg und die Dalwigker Höhle bei Dorfitter fallen in diese Kategorie.
Fehlanzeige vermeldeten die Fledermausschützer bei der Bechsteinfledermaus, die Winterquartiere allerdings nur sehr sporadisch aufsucht.
Höhepunkt der neu entdeckten Sommerlebensräume ist eine große Mausohrwochenstube mit rund 150 Weibchen in der Twisttalbrücke unter der Autobahn A 44. Ein weiteres Quartier zur Jungenaufzucht befindet sich in einem Bad Wildunger Fachwerkhaus, das durch eine besenderte Fledermaus aus dem Nationalpark Kellerwald-Edersee gefunden wurde. Trotz Fortführung der kreisweiten Kirchenkontrollen wurden auf Dachböden von Gotteshäusern keine weiteren Fledermausquartiere entdeckt. Bemerkenswert ist dagegen der Fund einer Wochenstube der großen Bartfledermaus in Gellershausen.Mehr Nachwuchs
Im Naturschutzgebiet Lengelbachtal gelang der erste Sommernachweis einer Grauen Langohrfledermaus als säugendes Weibchen in Waldeck-Frankenberg. Dank der warmen Witterung und ausreichend Nahrung stellten die Fledermausschützer im Sommer 2003 eine hohe Reproduktionsrate der Fledermäuse, die in der Regel nur ein Jungtier gebären, fest.
Die NABU-Aktiven unterstützten die Forschungsarbeiten des Laubacher Biologen Markus Dietz im Nationalpark. Bei Netzfang gelang auch der Erstnachweis eines säugenden Weibchens vom Grauen Langohr. Besonders beliebt sind die nächtlichen Insektenjäger bei Kindern und Jugendlichen. Mit 132 Fledermauserlebnisabenden an Schulen, Jugendherbergen, Kindergärten oder bei Ferienspielen leisteten sieben Referenten einen wichtigen Beitrag zum Abbau von Vorurteilen gegenüber der Tiergruppe. Auf große Resonanz stießen öffentliche Fledermausexkursionen in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Kellerwald-Edersee sowie Infoständen bei Märkten und Festen.
Die Fledermaus-Arbeitsgruppe wirkte ferner bei der Vorbereitung des ersten hessischen Fledermaus-Lehrpfades in Asel mit. Die Fachleute halfen ratsuchenden Bürgern bei Fledermauseinflügen in die Wohnung oder geplanten Gebäuderenovierungen und pflegten verletzte und geschwächte Tiere.
NABU-Kreisvorsitzender Heinz-Günther Schneider würdigte die Aktivitäten der kreisweiten Arbeitsgruppe, die eng mit Naturschutzbehörden, Forstämtern, der NABU-Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz in Hessen (AGFH) und dem Landesverband für Höhlen- und Karstforschung zusammenarbeitet.
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