Die Böhner Streuobstwiesen - Edergold!

Kirschblüte am Sengelsberg (Foto: Wolfgang Lübcke)
Kirschblüte am Sengelsberg (Foto: Wolfgang Lübcke)

„Wer Behnsche Äppel hott geschmacht,
 der hott sin Lebdag dran gedacht.
 Un Bähren (Birnen) honn se, ach so sieße,
 als kemen se us`n Paradiese.“

So reimt einst Pfarrer Hagemann aus Netze in seinem lustigen Mundart-Gedicht über Böhne. Früher spielte der Obstanbau an den klimatisch günstigen Südhängen von Böhne eine bedeutende Rolle. Äpfel, Birnen und Zwetschgen aus dem Edertaler Dorf waren kreisweit berühmt. Sogar aus dem Waldecker Upland kamen die Menschen, um sich hier Lageräpfel für den Winter zu holen.
Christian Fleischauer (1853 bis 1928), Heimatdichter aus Bergheim, schrieb:
„Die Obsthaine, die wälderartig unsere Ederdörfer umsäumen, stehen im Frühling in ihrer weißen Blütenpracht da, das Auge erfreuend. Aus dem herbstgefärbten Laub blüht der goldig glänzende Apfel, die köstliche Birne. Und manche Doppelkrone wandert in den Gemeindesäckel, denn das Obst des Edertales ist weit bekannt und gesucht. Edergold!

Noch heute ist die Umgebung von Böhne durch Obstbäume geprägt, insbesondere der Bereich zwischen dem westlichen Ortsrand und dem Sengelsberg. Streuobstwiesen dienten über Jahrhunderte einem doppelten Zweck, die Bäume zur Obsterzeugung (Obernutzung) und das Grünland als Viehfutter, Heuwiese oder Viehweide (Unternutzung). Sie sind besonders artenreiche Lebensräume. In ihnen können weit mehr als 1000 Insektenarten leben. Charakteristische Vogelarten sind zum Beispiel Steinkauz, Grünspecht, Wendehals, Gartenrotschwanz und Feldsperling.

Vom Sengelsberg aus schweift der Blick weit über das Land: auf Böhne, das sich dahinter erhebende Waldgebiet Kiss, das Edertal und die Berge des Kellerwaldes. Ein herrliches Bild bietet sich dem Betrachter, wenn die Obstbäume blühen. Besonders empfehlenswert ist ein Ausflug zum Sengelsberg zur Zeit der Kirschblüte. Man staunt, wie viele Kirschbäume in diesem Bereich wachsen. Direkt am Sengelberg stehen einige eindrucksvolle Süßkirschen-Bäume. Sie sind Fritz Meseck (1913 bis 1979) zu verdanken, der in den 1950er Jahren die gemeindeeigene Sandgrube betreute und 1955/56 die dortigen Wildkirschen gesetzt und veredelt hat. Das berichtet seine in Habichtswald-Ehlen lebende Enkelin Dagmar Dotting.

Der NABU Edertal bemüht sich seit vielen Jahren um die Erhaltung und Pflege der Böhner Streuobstbestände. Wichtig sind Nachpflanzungen, um deren landschaftsprägendes Bild zu erhalten.
Mit Hilfe von Baumpaten entsteht auf einer Wiese am Sengelsberg die „Obstbaum-Arche“ des NABU. Von möglichst vielen alten Sorten wird je ein Hochstamm angepflanzt. Die Sorten und die Namen der Spender sind auf den Holzschildern zu lesen. Schon jetzt stehen dort dreißig Bäume.
Die Pflege dieser Wiese erfolgt durch eine vom Aussterben bedrohte Haustierrasse, dem Coburger Fuchsschaf.
Die Nutzung des Obstes, als Vitaminspender im Winter oder zum Pressen von Saft, ist ein Beitrag zur Erhaltung unserer Streuobstwiesen. Der NABU freut sich deshalb darüber, dass die Böhner Familie Hartwig auf ihrem Hof in jedem Herbst mehrere Termine mit einem Saftmobil anbietet.

 

 Der Name Sengelsberg kommt von dem mundartlichen Wort „sengeln“. Es bedeutet abbrennen. Früher wurden Feldraine oft abgebrannt, so auch der Sengelsberg, der von Schafen beweidet wurde. Das berichtet der Böhner Landwirt Heinz Schäffer (93). Durch die ständige Beweidung war der Sengelsberg früher nicht wie heute von dichtem Gebüsch und Bäumen bewachsen, sondern es hatte sich eine Heidefläche mit Ginster entwickelt.
Der Sengelsberg wurde vom Landkreis Waldeck-Frankenberg als Naturdenkmal ausgewiesen. Grund dafür war das inzwischen erloschene Vorkommen der seltenen Kreuzkröte, die in einem kleinen Teich in der ehemaligen Sandgrube gelaicht hat. Der Rettung der kleinen Population wäre nur  durch Entnahme von Gehölzen und  - wie zu Zeiten der Sandgewinnung – durch Freilegen  von Rohboden möglich gewesen. Entsprechende Maßnahmen konnten aber bisher nicht umgesetzt werden, weil die in Gemeindeeigentum befindliche Fläche rechtlich Wald-Status hat. Nur bei entsprechender Lebensraumgestaltung wäre eine Wiederansiedlung der stark bedrohten Art machbar.

Wolfgang Lübcke

Edergold! (Foto: Wolfgang Lübcke)

 

Der Steinkauz braucht alte Obstbäume mit Höhlen  (Foto: Dieter Bark)