Alle heimischen Reptilienarten leben in Edertal

Wenn man "den Hals nicht voll kriegen kann"! Ringelnatter mit zu großer Beute (Foto: Hermann Sonderhüsken)
Wenn man "den Hals nicht voll kriegen kann"! Ringelnatter mit zu großer Beute (Foto: Hermann Sonderhüsken)

Im Juli 2021 hatte ich mich mit Hermann Sonderhüsken im Kiesgrubengebiet Mehlen-Giflitz verabredet, wo er Pflanzenfotos machen wollte. Auf dem Weg zum Treffpunkt entdeckte ich eine etwa einen Meter lange Ringelnatter. Sie lag bewegungslos am Wegrand. Ich dachte schon, sie sei überfahren worden. Aber dann bewegte sie sich ein wenig und ich sah, dass sie ein dickes Erdkröten-Weibchen im Maul hatte, das sie trotz aller Bemühungen nicht bewältigen konnte. Die Kröte hatte ihre eigene Beute, einen Regenwurm, durch den Schlangenbiss ausgewürgt.

 

Ich eilte zusammen mit Hermann Sonderhüsken zurück zu der Stelle mit dem seltenen Fund. Er machte etliche Fotos. Dabei bemerkten wir, dass die Kröte noch lebte. Schließlich gab die Schlange die einfach zu große Beute auf und zog sich in die Vegetation an dem ehemaligen Kiesbaggerteich zurück. Offen ist, ob die Erdkröte die Schlangen-Attacke überlebt hat.

 

Kreisweit bildet das untere Edertal einen Verbreitungsschwerpunkt. Waltraud Tönges aus Mehlen meldete einmal eine Ringelnatter, die sich längere Zeit in ihrem Gartenteich, unweit des Kiesgrubengebiets, aufhielt.

Ein gutes Bestimmungsmerkmal der Ringelnatter sind die beiden gelben Flecke am Hinterkopf (Foto: Wilhelm Breßler)
Ein gutes Bestimmungsmerkmal der Ringelnatter sind die beiden gelben Flecke am Hinterkopf (Foto: Wilhelm Breßler)

Eine zweite in Edertal nachgewiesene Schlangenart ist die kreisweit starkgefährdete Schlingnatter. Walter Meier hat mehrfach Schlingnattern bei Affoldern an dem Bahndamm der alten Betriebsstrecke zum Kraftwerk Hemfurth entdeckt. Der Schotter bot die Möglichkeit, sich zu verstecken und ein Sonnenbad zu nehmen, weil er sich stark erwärmt. Inzwischen ist das alte Gleis stark zugewachsen. Seitdem konnten dort keine Schlingnattern mehr nachgewiesen werden.


Aus Bergheim wurde eine junge Schlingnatter in einem Komposthaufen gemeldet, auch in Nähe des alten Bahndamms.

Bisweilen werden Schlingnattern aufgrund ihres ähnlichen Rückenmusters mit Kreuzottern verwechselt. Aber es gibt im Kreis Waldeck-Frankenberg keine Kreuzottern und somit keine giftigen Schlangen. 

 

Schlingnatter - ihre dunkle Rücken-Zeichnung bildet kein durchgehendes    Zickzackband wie bei der Kreuzotter (Foto: Wilhelm Breßler)
Schlingnatter - ihre dunkle Rücken-Zeichnung bildet kein durchgehendes Zickzackband wie bei der Kreuzotter (Foto: Wilhelm Breßler)

 

Auch alle drei heimischen Echsenarten kommen in Edertal vor. Am seltensten ist die in Waldeck-Frankenberg gefährdete Zauneidechse. Sie wurde in den Naturschutzgebieten  "Krautwiese am Wesebach" und "Ederauen zwischen Bergheim und Wega" nachgewiesen, geeignete Sonnplätze sind dort nur noch kleinflächig vorhanden. Aber auch für diese Art dürfte sich die Eder-Renaturierung positiv ausgewirkt haben. Der Schrummbachsrain bei Giflitz ist für die Zauneidechse ebenfalls ein geeigneter Lebensraum. Die Zauneidechse war Reptil des Jahres 2020.

Die Waldeidechse ist kreisweit und auch in Edertal die häufigste Reptilienart. Außerhalb der Wälder kann man sie auch in den Ederauen antreffen.

 

Zauneidechsen-Männchen auf besonntem Schotter (Foto: Gisela Schäfer)
Zauneidechsen-Männchen auf besonntem Schotter (Foto: Gisela Schäfer)

 

Blindschleichen werden oft als Schlangen angesehen. Es handelt sich aber um eine beinlose Echse. Ihr Skelett weist noch Reste von Schulter- und Beckenknochen auf. Leider relativ häufig betreffen Meldungen von Blindschleichen überfahrene Tiere, sogar auf Waldwegen.

 

Blindschleichen werden oft irrtümlich als Schlangen angesehen. (Foto: Wilhelm Breßler)
Blindschleichen werden oft irrtümlich als Schlangen angesehen. (Foto: Wilhelm Breßler)

Alle heimischen Reptilienarten kommen auch im Nationalpark vor, die Schlingnatter z. B. auf der Blockhalde am Daudenberg bei Bringhausen.


Diese ist auch ein geeigneter Lebensraum für die Zauneidechse. An den südexponierten Ederseehängen im Erweiterungsgebiet des Nationalparks dürften die wärmeliebenden Arten Schlingnatter und Zauneidechse häufiger vertreten sein.

 Wolfgang Lübcke